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Ausbeutung durch Kinderarbeit Stopp der Kinderarbeit Ist Kinderarbeit Tradition?

Ausbeutung durch Kinderarbeit

Nirgendwo anders auf der Welt gibt es so viel Kinderarbeit wie in Indien. Dieses Problem konnte bisher weder durch Sanktionen, Boykotte oder Gesetze gelöst werden.
Das in Indien vorherrschende Kastensystem und die Religion stützen dieses System der Ausbeutung.

Kinderarbeit in der Welt

Eine Momentaufnahme aus Bangalore in der heutigen Zeit:
Ungefähr vierzig Kinder, im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren, hocken auf dem Fußboden in einem nur unzureichend ausgeleuchteten Raum. Tische gibt es nicht, Stühle fehlen, auch eine Schultafel an der Wand sucht man vergebens und trotzdem handelt es sich um ein Klassenzimmer. Die Kinder halten jeweils einen Bleistift und einen Notizblock in der Hand.
Der Unterrichtsraum, in dem sich die Kinder befinden, hat eine Größe von höchstens 25 Quadratmetern.
Schulkind
© Nikhil Gangavane | Dreamstime.com
Nur einige Häuser weiter ein ganz anderes Bild, hier lärmen kleine Gruppen von Schülern am Straßenrand. Diese Schüler warten auf den Bus, mit ihm fahren sie zurück zu den Wohnhäusern ihrer Eltern.
Die Schüler tragen übergroße Ranzen und faltenfrei gebügelte Schuluniformen.

Diese Schüler besuchen eine Privatschule, sie sind die Kinder von wohlhabenden Eltern. Sie absolvieren ihren Unterricht an gut ausgestatteten Computer-Arbeitsplätzen in vollklimatisierten Räumen.
Die Kinder der untersten Kaste durchlaufen ein sogenanntes Rehabilitationsprogramm. Es sind ehemalige Kinderarbeiter.

In Indien entscheidet die Herkunft des Kindes, ob es eine exzellente Ausbildung erhält oder ein ärmliches Zubrot zum Einkommen seiner Familie beisteuern muss.
Wenn man den Zahlen einer Studie von UNICEF Glauben schenken darf, gibt es in Indien rund 35 Millionen Kinderarbeiter, 15 Prozent von ihnen sind jünger als 14 Jahre.
Die inoffiziellen Schätzungen gehen von weit höheren zahlen bei Kinderarbeitern aus, es soll danach zwischen 60 bis 125 Millionen Kinderarbeiter geben.

Die Teppichindustrie gilt als einer der Hauptübeltäter bei der Kinderarbeit

Teppich Indien
© Ekaterina Fribus | Dreamstime.com
Das Problem der Kinderarbeit in Indien ist seit vielen Jahren bekannt - aber es bewegt sich sehr wenig um dieses Problem zu beseitigen. "Soziale Ungerechtigkeit und gesellschaftlicher Ausschluss haben in Indien eine lange Tradition", erklärt Lakshmidhar Mishra, ein Sozialwissenschaftler. Die Kritik kommt hauptsächlich von der internationalen Gemeinschaft. Sie rügt die Praxis der Kinderarbeit immer wieder, es wurden mehrfach Boykotte und Sanktionen gegen indische Branchen beschlossen - doch keine dieser Maßnahmen zeigte bisher die erhoffte Wirkung. Die indische Teppichindustrie ist einer der Hauptübeltäter.
Der größte Teil der indischen Branchenvertreter lässt die Kritik einfach an sich abperlen. es wird vom "kalkulierten Protektionismus" des Westens gesprochen und sie unterstellen Heuchelei. Den entwickelten westlichen Industrienationen ginge es doch nur darum die Preise auf einem möglichst hohem Niveau zu halten und sich vor Konkurrenz zu schützen.

Eines kann man nicht in Abrede stellen, die Preise für die von Kinderhand hergestellten Produkte sind extrem billig.
Ob es um die Feuerwerkshersteller im südöstlichen Tamil Nadu geht, um die Teppich-, Seiden- und Kupferwarenindustrie im nördlichen Uttar Pradesh oder die Edelsteinindustrie im Bombay - "alle diese Branchen bedienen sich der billigen Kinderarbeiter, um bessere Preise auf dem Markt erzielen zu können", erklärt der Sozialwissenschaftler Mishra.

Es gibt aber noch weitere Industriezweige, welche mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden.
Dabei handelt es sich um die Strickwarenindustrie, Streichholzfabriken, Zigarren-Manufakturen, Teeplantagen in Assam oder auch der Baumwoll- und Zuckerrohranbau.

Die Psyche der Kinder ist für den Rest des Lebens zerstört

Der größte Teil der Kinder arbeitet jedoch im informellen Sektor, in der Landwirtschaft oder in Haushalten.
Diese Kinder arbeiten als Erntehelfer, Tellerwäscher oder Reinigungskräfte in den Diensten der neuen indischen Mittel- und Oberschicht.
Die große Anzahl an Minderjährigen bildet ein riesiges Reservoir an Arbeitskraft, es verhilft Indien zum Aufstieg zur neuen Wirtschaftssupermacht.
"Das ist erschreckend für ein Land, das für sich in Anspruch nimmt, zukünftig zu den führenden Industrienationen zählen zu wollen", diese Zeilen verfasste ein Kolumnist der Tageszeitung "The Hindu".

Bei einer großen Anzahl von Kindern, welche aus Geldmangel von den eigenen Eltern verkauft werden und über Kontraktoren in die Städte verschleppt werden, sind verschiedenste Fälle von Misshandlungen bekannt geworden. "Aber die Gefahren sind nicht ausschließlich körperlicher Natur", erklärt Neera Burra. Die sozialen und emotionalen Folgen sind bei den Kindern viel gravierender.
In nicht wenigen Fällen wird die Psyche eines Kindes für den Rest des Lebens zerstört. Die überwiegende Mehrzahl der Kinderarbeiter entstammen Dalit- und Muslim-Familien", sagt Shruti Raghuvansh, eine Sozialaktivistin.

Indra Bhushan Singh, ein Politologe weist darauf hin, dass "diese Gesellschaftsgruppen zur Ausbeutung quasi prädestiniert sind".
Der soziale und wirtschaftliche Aufstieg wird dieser Gesellschaftsgruppe seit Generationen verwehrt.
Neben der Armut der Eltern sind noch weitere Faktoren für Kinderarbeit in Indien verantwortlich. Auch die Religion und vor allem die Kastenzugehörigkeit spielen hier eine entscheidende Rolle.